Literatur nach 1945 in der BRD und DDR
Die deutsche Literatur hatte nach dem Untergang des Dritten Reichs keinen leichten Stand. Die bedeutendsten Autoren Deutschlands, hierunter Bertolt Brecht, Heinrich und Thomas Mann, waren während der Naziherrschaft ins Ausland geflohen. Für die jungen westdeutschen Schriftsteller galt es nun, mit den alten literarischen Traditionen zu brechen und einen stilistischen "Kahlschlag" vorzunehmen, um die Literatur von den Reminiszenzen der Nazi-Rhetorik zu befreien.
In der BRD waren zunächst die Autoren der "Gruppe 47" wegweisend, zu denen unter anderem Heinrich Böll, Günter Grass, Martin Walser und Alfred Andersch zählten. Während sich Böll mit seinen Kurzgeschichten und Romanen wie "Wo warst du, Adam?" oder "Ansichten eines Clowns" in zurückgenommenen Stil auf die Befindlichkeiten des Individuums im Nachkriegsdeutschland konzentrierte, wagte Grass mit seinem Erstlingswerk "Die Blechtrommel" den Schritt zum stilistisch und inhaltlich ausufernden Magischen Realismus und gewann hierfür breite internationale Anerkennung.
Die Schriftsteller der DDR knüpften unterdessen an die Tradition der sozialistischen Literatur vor dem Dritten Reich an. Eine Vorreiterrolle für die DDR-Literatur nahm der 1948 aus dem Exil nach Ost-Berlin zurückgekehrte Bertolt Brecht mit seinem epischen Theater ("Mutter Courage und ihre Kinder", "Die Tage der Commune") ein, das Heiner Müller mit seinen Theaterstücken auf provokante Weise weiterentwickelte. In der Tradition des Sozialistischen Realismus stand die gebürtige Mainzerin Anna Seghers, zu deren bekanntesten Werken der Roman "Das siebte Kreuz" zählt.